Ratgeber

Lackschichtmessung beim Auto: Vorschäden und Nachlackierungen sicher erkennen

Wie dick ist der Lack – und was verrät das über die Vorgeschichte eines Fahrzeugs? So funktioniert die professionelle Lackschichtmessung beim Kfz-Gutachter.

Von Kenan Özer · IfS-zertifizierter Kfz-Sachverständiger

Ob nach einem Unfall oder vor dem Kauf eines Gebrauchtwagens: Die Lackschichtmessung ist eines der wichtigsten Werkzeuge eines Kfz-Sachverständigen. Sie zeigt zuverlässig, ob ein Bauteil nachlackiert, gespachtelt oder ausgetauscht wurde – auch dann, wenn die Reparatur optisch perfekt aussieht.

Was misst man bei der Lackschichtmessung?

Gemessen wird die Dicke der gesamten Beschichtung auf dem Blech – also Grundierung, Füller, Basislack und Klarlack. Angegeben wird sie in Mikrometern (µm). Ab Werk ist die Lackschicht bei den meisten Fahrzeugen sehr gleichmäßig. Typisch sind je nach Hersteller etwa 80 bis 160 µm.

Was verraten die Messwerte?

  • Gleichmäßige Werte im Werksbereich: Das Bauteil ist sehr wahrscheinlich original lackiert.
  • Deutlich höhere Werte (z. B. 200 bis 300 µm): Hinweis auf eine Nachlackierung.
  • Sehr hohe Werte (mehrere hundert µm bis über 1.000 µm): Hinweis auf Spachtelmasse und damit auf eine Instandsetzung von Dellen oder Beulen.
  • Stark abweichende Werte zwischen benachbarten Bauteilen: Hinweis auf ausgetauschte oder reparierte Teile.

Die Messwerte allein sind aber noch kein Urteil: Erst die Erfahrung des Sachverständigen und der Vergleich mit Hersteller- und Fahrzeugdaten ergeben ein sicheres Bild.

Profimessung mit dem QNix 5500

Für meine Gutachten verwende ich ein professionelles Schichtdickenmessgerät vom Typ QNix 5500. Das Gerät misst sowohl auf Stahl als auch auf Aluminium und erkennt den Untergrund automatisch. Gerade bei modernen Fahrzeugen, bei denen Stahl- und Aluminiumteile kombiniert werden, ist das entscheidend für verlässliche Ergebnisse. Kunststoffteile wie Stoßfänger lassen sich mit diesem Messverfahren dagegen nicht messen – hier ist die Sichtprüfung gefragt.

Kfz-Sachverständiger misst die Lackschichtdicke an einem Fahrzeug mit dem QNix 5500 – Anzeige 112 µm
Lackschichtmessung mit dem QNix 5500: 112 µm auf Stahl – ein typischer Wert für eine Originallackierung.
Lackschichtmessung mit dem QNix-Messgerät: erhöhter Messwert von 422 µm deutet auf einen reparierten Unfallschaden hin
Messwert 422 µm: Eine so hohe Lackschichtdicke ist ein klarer Hinweis auf Spachtel oder Nachlackierung.

Wann ist eine Lackschichtmessung sinnvoll?

  • Im Unfallgutachten: um Vorschäden vom aktuellen Schaden abzugrenzen. Das schützt Sie vor Kürzungen durch die Versicherung. Mehr dazu im Ratgeber Verdeckte Unfallschäden erkennen.
  • Beim Gebrauchtwagenkauf: um zu prüfen, ob das Fahrzeug wirklich unfallfrei ist.
  • Bei der Wertermittlung: etwa für Oldtimer-Gutachten, bei denen Originallack den Wert stark beeinflusst.
  • Bei Leasingrückgabe oder Verkauf: zur Dokumentation des Fahrzeugzustands.

Häufige Fragen

Kann ich die Lackschicht selbst messen?

Einfache Geräte gibt es im Handel, die Ergebnisse sind aber oft ungenau. Vor allem fehlt die Erfahrung, die Werte richtig zu deuten.

Beschädigt die Messung den Lack?

Nein. Die Messung erfolgt berührend, aber zerstörungsfrei – der Messkopf wird nur kurz auf den Lack aufgesetzt.

Ist die Lackschichtmessung im Gutachten enthalten?

Ja, bei Bedarf ist sie fester Bestandteil meiner Schadengutachten und Unfallgutachten.

Kann man eine Lackschichtmessung auch vor dem Gebrauchtwagenkauf machen lassen?

Ja. Vor dem Kauf zeigt die Messung, ob Bauteile nachlackiert wurden – ein deutlicher Hinweis auf frühere Unfall- oder Lackschäden.

Unabhängige Beratung vom Kfz-Sachverständigen

Sie haben Fragen zu der Lackschichtmessung oder einer Fahrzeugbewertung? Als IfS-zertifizierter und im VDI-Register eingetragener Kfz-Sachverständiger berate ich Sie persönlich – in Norderstedt, Hamburg und der gesamten Region. Die Besichtigung erfolgt auf Wunsch direkt bei Ihnen vor Ort, rund um die Uhr erreichbar unter 0172 403 35 04 oder per WhatsApp.

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